
Für die gesunde Entwicklung deines Kindes ist es wichtig, dass es Gefühle nicht nur zulassen, sondern auch zeigen kann. Im nächsten Schritt sollte es lernen, die Emotionen seiner Mitmenschen zu verstehen. Sobald dein kleiner Sohn oder deine kleine Tochter in der Lage ist, sich in andere hineinzuversetzen und Trauer, Wut oder Freude des Gegenübers nachzuvollziehen, ist er bzw. sie empathisch.
Das Antrainieren dieser Fähigkeit sollten Eltern unterstützen, denn sie ist ein wertvoller Begleiter durchs Leben, nicht nur im privaten und beruflichen Umgang mit anderen Personen, sondern auch beim Aufbau von engen Bindungen in Freundschaften und Beziehungen. Ebenso ist sie ein wertvoller Ratgeber im Bereich Konfliktlösung.
Dabei zählt allerdings zu den Voraussetzungen, dass du als verantwortlicher Erwachsener selbst über diese Gabe verfügst und stets ein offenes Ohr für deine Gesprächspartner hast. Du solltest daher zuerst dein eigenes Einfühlungsvermögen überprüfen, ehe du versuchst, das deines Kindes zu fördern.
Das Einfühlungsvermögen deines Kindes
Jeder Mensch besitzt nahezu von Geburt an ein gewisses Maß an Empathie. Bereits einjährige Kinder trösten beispielsweise ihre Eltern, Geschwister oder Spielgefährten, wenn sie bemerken, dass diese traurig sind. Allerdings handelt es sich bei dieser sozial-emotionalen Kompetenz um eine „egozentrische Empathie" im Sinne einer Projektion, nicht um echtes Einfühlungsvermögen. Dieses unbewusste Verhalten wird auch „Gefühlsansteckung" genannt und durch das angeborene Spiegelneuronsystem hervorgerufen. Manche Kinder reagieren allerdings auch irritiert auf offen zur Schau gestellte Emotionen, werden unter Umständen sogar zornig und möglicherweise auch aggressiv, es fehlt ihnen dann noch an der notwendigen Selbsterkennung.
Es gibt nämlich eine ganz bestimmte Voraussetzung für echte Empathie, bei der die Kleinen sich in das Gegenüber hineinversetzen können und dessen Emotionen verstehen: die Fähigkeit, zu wissen, dass sie eine von den anderen komplett getrennte Person sind. Das ist üblicherweise um den zweiten Geburtstag herum der Fall und daran ersichtlich, dass sie sich selbst nicht mehr beim Vornamen nennen, sondern stattdessen „ich" zu sich selbst sagen. Daraus ergibt sich die Annahme, dass Kinder sich ab dem dritten Lebensjahr zunehmend in die Wünsche und Bedürfnisse anderer hineinversetzen können. Mehr über diesen Prozess erfährst du im Artikel über die emotionale Entwicklung deines Kindes.
Die Gabe, sich in andere hineinzuversetzen und ihre Gefühle nachzuempfinden, gehört zur gesunden Entwicklung und spielt eine große Rolle im Umgang mit den Mitmenschen. Dein Sohn oder deine Tochter wird sich großer Beliebtheit bei seinen bzw. ihren Freunden erfreuen, wenn er bzw. sie anderen Mut zusprechen, sie aufmuntern oder sich aufrichtig mit ihnen freuen kann. Empathische Kinder können sich besser auf die Personen in ihrem Umfeld einstellen und mit ihrer Fähigkeit, Verständnis für jede Seite aufzubringen, sogar Konflikten vorbeugen.
„Die große Gabe des Menschen ist die Fähigkeit zur Empathie.", Meryl Streep

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Ehe du jedoch daran denkst, diese für ein freudvolles und friedliches Leben deines Kindes so wichtige Sozialkompetenz zu fördern, solltest du dich zuerst selbst auf Authentizität überprüfen. Denn nur wer seine Gefühle ohne Fassade offen und wertschätzend dem anderen gegenüber zum Ausdruck bringen kann, erfüllt die Spiegelbildfunktion zum Wohl des heranwachsenden Kindes.
Fünf wertvolle Tipps, wie du deinem Kind dabei helfen kannst, einfühlsam zu sein
I. Lass dein Kind seine Umgebung draußen beobachten, ohne unnötige äußere Reize wie Telefon oder Tablet. Das gibt ihm Raum und Zeit, die Reaktionen der anderen wahrzunehmen. Du kannst zusätzlich die Gefühle oder das Verhalten anderer Menschen einfühlsam beschreiben.
II. Dein Kind sollte die Möglichkeit haben, auf möglichst viele verschiedene Menschen zu reagieren und sich mit ihnen auseinanderzusetzen. Lade dafür Verwandte und Freunde ein, lass deinen Sprössling aber auch mit Fremden interagieren, so oft es geht. Ermutige die betreffenden Personen, sich vor dem Kind ganz klar emotional auszudrücken und nichts zu kaschieren.
III. Lebe deine Emotionen offenherzig aus, benenne und erkläre dein Befinden dann aber auch. Sag zum Beispiel: „Heute bin ich traurig, weil …" Zugleich fragst du dein Kind häufiger, wie es ihm geht, damit es seine Gefühle spürt, ausdrücken kann und ihnen Begriffe wie „unglücklich", „froh" oder „wütend" zuzuordnen lernt. Warum das so wichtig ist, liest du auch im Artikel Wieso du über deine Gefühle mit deinem Kind sprechen solltest.
IV. Zeige Anteilnahme und Mitgefühl in deinem sozialen Umfeld und lebe deinem Kind Empathie vor. Gib auch den Emotionen unbeteiligter Personen eine Sprache, etwa: „Schau mal, die Frau da drüben auf der Bank weint. Sie scheint sehr traurig zu sein. Gehen wir doch einmal hin und fragen sie, ob wir ihr helfen können."
V. Drücke verbal aus, was das eigene Verhalten beim Gegenüber bewirkt, und unterstütze deinen Sohn oder deine Tochter damit, den richtigen Umgang mit seinen bzw. ihren Mitmenschen zu lernen. Nur auf diese Weise förderst du echte Empathie. Falsch wäre es, dem Kind ohne Erklärung beizubringen, sich „richtig" zu benehmen, nur damit es in seinem Umfeld gut ankommt und Lob erhält.
Um dir einen einfachen Einstiegspunkt zu geben, mit deinem Kind über seine Gefühle zu sprechen, eignet sich das Buch „Was fühlst du?". Schau doch mal hinein und entdecke, wie sich dein Kind der Welt der Gefühle öffnet.
Häufig gestellte Fragen
Empathie ist die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen und deren Gefühle wie Trauer, Wut oder Freude nachzuvollziehen. Sie ist eine zentrale Sozialkompetenz und ein wertvoller Begleiter durchs Leben, in Freundschaften, Beziehungen und bei der Konfliktlösung.
Echte Empathie setzt voraus, dass ein Kind sich als eigenständige Person wahrnimmt. Das ist üblicherweise um den zweiten Geburtstag herum der Fall. Ab dem dritten Lebensjahr können sich Kinder zunehmend in die Wünsche und Bedürfnisse anderer hineinversetzen.
Wenn schon einjährige Kinder andere trösten, handelt es sich um eine sogenannte Gefühlsansteckung, ausgelöst durch das angeborene Spiegelneuronsystem, eine egozentrische Empathie. Echtes Einfühlungsvermögen entwickelt sich erst, wenn das Kind versteht, dass es eine von anderen getrennte Person ist.
Lass dein Kind seine Umgebung ohne Ablenkung beobachten, ermögliche ihm vielfältige soziale Kontakte, benenne deine eigenen Gefühle offen, lebe Anteilnahme und Mitgefühl vor und erkläre deinem Kind, wie sein Verhalten auf andere wirkt.
Empathische Kinder sind beliebter bei ihren Freunden, können anderen Mut zusprechen und sie aufmuntern. Sie stellen sich besser auf ihre Mitmenschen ein und können durch ihr Verständnis für jede Seite sogar Konflikten vorbeugen.
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